«Die relevanten Fragen stellen» Karrierekolumne (Swiss Engineering), Januar/Februar 2018

«Die relevanten Fragen stellen» Karrierekolumne (Swiss Engineering), Januar/Februar 2018

Fri Feb 09 13:06:05 CET 2018

Ihre Firma steht vor einer grösseren Akquisition, und der Chef fragt Sie spontan nach Ihren Inputs aus strategischer und organisatorischer Sicht. Sie sehen das als riesige Chance, um sich als Kandidat/in für die nächste Führungsstufe zu positionieren. Bloss… was sagen Sie?  Hier ein paar Vorschläge:

 

Ebene Strategie

Jeder Insider kann Argumente finden, die für oder gegen die Akquisition sprechen: die Produkte, die Kunden, die Märkte, das Innovationspotential, die Kosten… Schwieriger zu beantworten – und damit aufschlussreicher – ist die umgekehrte Frage, die direkt auf die Strategie zielt: «Nehmen wir an, die Akquisition findet nicht statt: wie würde das unsere Firma schwächen?».  Die Entscheidträger werden diese Frage nicht lieben. Beschäftigen sie sich jedoch ernsthaft mit der Antwort, so finden sie heraus, welche strategische Bedeutung die Akquisition wirklich hat.

 

Ebene Organisation

Auf die Akquisition folgt die Integration der neuen Firma in die bestehende. Je nachdem, wie unterschiedlich die Kulturen, die Strukturen, die Prozesse etc. sind, kann das zur wahren Herausforderung werden, die häufig unterschätzt wird. Was denn auch Ihre Frage ist: «Welche Auswirkungen hat die Akquisition auf die Organisation? Welche Kosten entstehen, um die Kulturen, Strukturen, Prozesse zu integrieren? Wer ist dafür verantwortlich (und nein, man kann diese Aufgabe nicht nur HR oder IT überlassen!)».

 

Ebene Führung

Der Erfolg jeder Firma steht und fällt mit den beteiligten Menschen. Sie spielen denn auch eine wichtige Rolle bei der Integration der akquirierten Firma. Sie wollen daher vom Chef wissen, wie das Management der anderen Firma zur Akquisition steht. Wer die 10 Leute sind, die man auf gar keinen Fall verlieren darf. Wie man sicherstellen möchte, dass man diese Leute nicht verliert (z.B. indem man ihnen einen «Götti» aus der eigenen Firma zur Seite stellt). Und auf welche Weise man erreichen kann, dass die Peers der beiden Firmen wirklich miteinander arbeiten können.

 

Natürlich könnte man noch viele weitere Fragen stellen. Werfen Sie die oben genannten Punkte auf, haben Sie aber sicher Weitblick demonstriert und eine gute Basis für die Diskussion geschaffen.