Reverse Monitoring – Generationenübergreifend lernen

Mentoring
Demografischer Wandel, Wegfall von Fachkräften, Inklusion und Wissensverlust in Organisationen. Wie begegnet man dieser Situation als Unternehmen? Reverse Mentoring ist eine simple Methode, um den Wissenstransfer zwischen den Generationen zu gestalten, Respekt zu fördern und Potenziale zu nutzen. Durch den generationenübergreifenden Wissenstransfer werden Innovationen gefördert und das Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt.

Reverse Mentoring steht für ein gegenseitiges Unterstützen und Coachen zwischen Generationen. Im Gegensatz zum traditionellen Mentoring, in welchem ältere jüngere Mitarbeitende anleiten, werden im Reverse Mentoring die Rollen vertauscht. Junge coachen Ältere unter anderem im Bereich Digitalisierung und der sozialen Netzwerke, Ältere geben ihre Führungs- und Lebenserfahrung weiter. Das bekannte Konzept des Reverse Mentorings haben wir mit unserem Team als erweiterte Variante in einem Grossunternehmen realisiert.

Basis des Konzepts ist das bereichsübergreifende Verstehen, das generationenübergreifende Lernen und der hierarchieübergreifende Dialog. Das Konzept ist auf einer agilen Methode aufgebaut und lebt vom iterativen, sich ständig weiterentwickelnden Prozess. Die Teilnehmenden gestalten aktiv mit. Damit ein bereichs-, hierarchie- sowie generationenübergreifendes Lernen stattfinden kann, müssen die unterschiedlichen Generationen aktiv dabei sein. Aus der Vielfalt der Beteiligten entsteht das wertvolle Verständnis füreinander und der gegenseitige Respekt. So bilden die Teilnehmenden ein Vertrauen, auf dem der Wissenstransfer und die gegenseitige Unterstützung aufgebaut und gewährleistet wird.

Reverse Mentoring als Philosophie und Methode interveniert an folgenden zentralen Bereichen:

Motivation durch Partizipation: Reverse Mentoring bezieht sich auf alle Mitarbeitende sämtlicher Hierarchiestufen. Alle, die daran interessiert sind, sich zu beteiligen, werden in den Prozess integriert. Dabei kann jede Person ihr eigenes Wissen und Können einbringen. Jede Person wird aktiver Teil eines Veränderungssystems.

Wissensmanagement: Reverse Mentoring macht neben explizitem auch implizites Wissen sichtbar. Wissensmanagement ist die systematische Sammlung und Organisation von Wissen in einer Organisation. Darunter fallen alle Daten und Informationen oder die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in der Organisation vorhanden sind.

Resilienz: Als Organisation in der VUCA-Welt (Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit) stärkt das Reverse Mentoring die individuelle, teamorientierte und organisationale Widerstandsfähigkeit.

Wertewandel der Generationen: Mit Reverse Mentoring wächst das Verständnis zwischen den Generationen. Die Älteren können eher die Motive und Werte der jüngeren Generationen verstehen, ihre jeweiligen Lebensvorstellungen erkennen und entsprechend mit neuen Arbeitsformen experimentieren. Gemeinsamkeiten werden genutzt und Unterschiede zu Synergien umgewandelt. Vorurteile werden abgebaut und der generationenübergreifende Austausch gefördert.

Demografischer Wandel: Reverse Mentoring dient auch der Innovation von Arbeitsmodellen. Es werden Möglichkeiten geschaffen, mit deren Hilfe ältere Generationen (Seniors) sich sinnvoll einbringen und ihr wertvolles Wissen Bestand hat, da es von Jungen (Juniors) genutzt wird.

Talentmanagement: Karrieremöglichkeiten sind neu zu denken und Querkarrieren stärker zu fördern. Menschen können mit dem Instrument des Reverse Mentoring nach ihren Stärken zielgerichtet unter Berücksichtigung der individuellen Lebensphase eingesetzt werden.

Partizipatives Changemanagement: Durch den Reverse Mentoring-Prozess werden Emotionen schneller bearbeitet und Widerstände abgebaut. Das gemeinsame Lernen mit neuen Zielen beschleunigt die Akzeptanz von Veränderungsprozessen, weil man ein aktiver Teil von ihnen ist.

Unternehmenskultur und Mindset: Durch den Austausch werden die kulturellen Muster transparent. Mit dem kontinuierlichen Dialog entstehen Innovationen, er verändert aber auch die Unternehmenskultur vorteilhaft. Alte Muster werden abgelöst durch eine neue kollektive Denkweise.

Persönlichkeitsentwicklung: Die Seniors können sich rasch neues Wissen aneignen und ihr Verhalten reflektieren. Umgekehrt gewinnen Juniors im Prozess an Erfahrung und Selbstwertgefühl.

Agilität: Agile Arbeitsmethoden werden im Reverse Mentoring-Prozess automatisch berücksichtigt. Mit dem stetigen Anwenden der agilen Instrumente im Prozess wächst die Vertrautheit in ihrem Umgang. Der Sinn wird erkannt und das Können verfeinert. Der Dialog zwischen den unterschiedlichen Generationen fördert den Experimentiercharakter und das gemeinsame Lösen von Problemen.

So gelingt der generationenübergreifende Dialog:

Die Voraussetzung für Reverse Mentoring ist, dass sowohl Mentor (Junior) als auch Mentee (Senior) eine weitreichende Empathie mitbringen. Es ist unabdingbar, die Perspektive des Gegenübers schnell und korrekt einzunehmen. Beide müssen in der Lage sein, vorurteilslos anderen Personen einer anderen Altersklasse oder Funktion gegenüberzutreten. Eine ausgeprägte Lernbereitschaft und intrinsische Motivation fördern einen erfolgreichen Einstieg und Prozessverlauf. Damit der bislang ungewohnte Austausch auf Augenhöhe funktioniert, bedarf es somit insbesondere der Offenheit der Seniors, die gewillt sind, ihre hierarchischen Positionen hinter sich zu lassen. Die Junioren hingegen sollten bereits ein gut entwickeltes Selbstbewusstsein mitbringen, um den Seniors souverän begegnen zu können. Beide Seiten sind gefordert, Kritik anzubringen und sie anzunehmen.

Die Junioren bringen ein spezifisches Expertenwissen, etwa im Umgang mit sozialen Netzwerken mit, das sie als neues Wissen den Senioren vermitteln und mit ihnen üben. Im Gegenzug stellen die Seniors ihre Erfahrungen, zum Beispiel im Bereich Führung und Organisation zur Verfügung. Die jüngeren Generationen vermitteln die Werte, die ihnen wichtig sind und damit in naher Zukunft weit verbreitet sein werden. So können beide die gegenseitige Perspektive einnehmen, verstehen, erkennen und für sich selbst und für die Organisation neue Lösungen erarbeiten.

Ein perfektes Instrument für gut funktionierende Teams.