Agilität und Resilienz erfolgreich leben: Die Geschichte von RoBe

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Ob in den Medien, in Unternehmen oder in alltäglichen Gesprächen – die Begriffe Agilität und Resilienz sind allgegenwärtig. Doch was verbirgt sich hinter diesen Schlagwörtern? Handelt es sich tatsächlich um Fähigkeiten, die Organisationen und Führungskräfte heute dringender denn je benötigen? Die Geschichte von Rochester-Bern Executive Programs (RoBe) gibt ein Beispiel.

Im Gespräch mit Gründer Claudio Loderer und CEO Petra Joerg wird deutlich, wie sich RoBe über mehr als drei Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt hat – und weshalb Agilität und Resilienz dabei zu entscheidenden Erfolgsfaktoren wurden.

Nach seinem Studium an der University of Rochester erhielt Claudio Loderer das Angebot, in der Schweiz einen Executive Master of Business Administration (EMBA) aufzubauen. Dabei wurde ihm bewusst, was der damaligen Managementausbildung in der Deutschschweiz fehlte: Während sie stark auf Modelle, Konzepte und Theorien ausgerichtet war, setzte der amerikanische Ansatz bei konkreten Herausforderungen von Führungskräften an. Ziel war es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern zu fundierten Entscheidungen und wirksamem Handeln zu befähigen. Genau diese Philosophie wollte Claudio mit der Gründung des RoBe-EMBA in die Schweiz bringen.

Als unverbesserlicher Optimist zog Claudio ein Scheitern nie in Betracht. Auf die Frage, was ihn persönlich resilient gemacht habe, muss er nicht lange überlegen. Vor allem habe ihn eine Haltung geprägt, die ihm seine Mutter mitgegeben habe: «Aufgeben war nie eine Option.» Als er das Projekt 1994 ins Leben rief, stand er vor zwei grossen Herausforderungen: Er musste geeignete Räumlichkeiten für den Unterricht finden und genügend Teilnehmende für den ersten EMBA gewinnen. Mit der Unterstützung des Stiftungsrats, aber auch dank einer grossen Portion Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen gelang es ihm, diese Hürden zu überwinden. Dank dieses Unternehmensgeistes konnte der erste EMBA im Hotel Seepark in Thun erfolgreich starten.

 

Handeln trotz Unsicherheit

Entscheidungen musste Claudio Loderer viele treffen, oft, obwohl ihm wichtige Informationen fehlten. «Mit Rochester im Rücken war vieles wahrscheinlich einfacher», erinnert er sich. Einen klaren Plan hatte er damals jedoch nicht. Ob die Gründung von RoBe aus heutiger Sicht ein Beispiel für Agilität war? Claudio antwortet lachend: «Ja, absolut. Wobei Agilität immer relativ zu einer Struktur ist. Und wir waren damals so agil, dass wir nicht einmal eine Struktur hatten.» Daran wird deutlich, dass die Agilität in den Anfangsjahren von RoBe nicht das Ergebnis eines festgelegten Prozesses war, sondern auf der Bereitschaft beruhte, trotz Unsicherheit Entscheidungen zu treffen und voranzugehen.

 

Agilität als Daueraufgabe

Auch heute steht RoBe vor neuen Herausforderungen. Für Claudio besteht die zentrale Aufgabe darin, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, relevant zu bleiben und sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Bildungsmarkt zu behaupten. Ein aktuelles Beispiel ist der rasante Fortschritt der KI. Sie stellt für ein Weiterbildungsprogramm nicht nur traditionelle Prüfungsformen infrage, sondern verändert vor allem die Kompetenzen, die Führungskräfte künftig benötigen. Anstatt Informationen lediglich zu erzeugen – etwa eine Bilanz oder Erfolgsrechnung zu erstellen –, wird künftig entscheidend sein, Informationen zu nutzen, d.h. kritisch zu hinterfragen, einzuordnen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten. Diese Entwicklung erfordert eine kontinuierliche Anpassung der Unterrichtsformen und der Lehrinhalte. Sie macht deutlich, dass Agilität kein einmaliger Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess ist. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Kompetenzen und Lehrformaten gehört deshalb heute genauso zur Agilität wie einst der Aufbau des ersten Executive MBA.

 

Führung auf Augenhöhe

Für Claudio endet Agilität jedoch nicht bei neuen Technologien. Sie zeigt sich ebenso in der Art und Weise, wie Menschen geführt werden und kooperieren. Sein Verständnis von Führung ist dabei nicht nur akademisch geprägt, sondern auch persönlich. Als Kind erlebte er im Geschäft seines Vaters den autoritären Führungsstil jener Zeit, bei dem Mitarbeitende oft aus Angst vor Konsequenzen handelten. Diese Erfahrung prägte sein Führungsverständnis nachhaltig. «Ich war immer allergisch auf Autorität», sagt er rückblickend. Für ihn steht deshalb ausser Frage, dass nachhaltige Führung heute auf Vertrauen, Eigenverantwortung und gegenseitigem Respekt basiert.

 

Weiterbildung neu denken

Auch Petra Joerg ist überzeugt, dass Agilität heute wichtiger denn je ist. Für sie hat insbesondere die fortschreitende Digitalisierung die Anforderungen an die Weiterbildung grundlegend verändert. Gleichzeitig hätten sich auch die Lebensrealitäten der Teilnehmenden gewandelt. «Früher verbrachten unsere Studierenden neun Wochen in den USA – und für viele war es selbstverständlich, sich zweieinhalb Monate Zeit zu nehmen. Heute verfügen die meisten Führungskräfte über deutlich weniger zeitliche Freiräume.» Darin sieht Petra ein Paradox unserer Zeit: Einerseits erfordern die zunehmende Komplexität und der rasche Wandel lebenslanges Lernen mehr denn je. Andererseits wird das Umfeld immer weniger lernfreundlich. Umso wichtiger sei es, Weiterbildungsangebote flexibel zu gestalten und konsequent an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen.

 

Geschäftsmodell kontinuierlich weiterentwickeln

Auch nach der Gründung musste Rochester-Bern Executive Programs sein Geschäftsmodell immer wieder an neue Rahmenbedingungen anpassen. Eine der grössten Herausforderungen laut Claudio war die Bologna-Reform: Plötzlich konkurrierte der EMBA mit deutlich günstigeren Masterprogrammen. Eine Schlüsselrolle für den Erfolg spielte dabei Petra. Unter ihrer Leitung entwickelte RoBe unter anderem firmenspezifische Programme, die auf die Bedürfnisse einzelner Unternehmen zugeschnitten waren, und erschloss damit neue Geschäftsfelder.  «Petra war entscheidend. Sie hat sich immer mit RoBe identifiziert und unser Geschäftsmodell kontinuierlich weiterentwickelt», sagt Claudio. «Veränderungen überraschen mich nicht, sondern ich führe sie selbst herbei. Ich liebe sie», erklärt Petra.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war die finanzielle Unabhängigkeit: «Wir wurden nie quersubventioniert. Deshalb mussten wir immer Angebote entwickeln, für die es eine Nachfrage gibt. Die Rückmeldungen unserer Studierenden und ein konsequenter Fokus auf Qualität waren für uns entscheidend», betont Claudio.

 

Agilität beginnt mit Zuhören

Für Petra beginnt Agilität mit einem offenen Blick nach aussen. Um frühzeitig zu erkennen, wann Veränderungen notwendig werden, müsse eine Organisation ihr Umfeld kontinuierlich beobachten und den Menschen aufmerksam zuhören: den Studierenden, Dozierenden, Alumni:ae, Mitarbeitenden und Unternehmenspartnern. Dabei zitiert Petra den französischen Chemiker und Mikrobiologen Louis Pasteur: «Chance favours the prepared mind.» Chancen entstünden selten zufällig, sondern begünstigten jene, die Entwicklungen früh erkennen und bereit sind, konsequent zu handeln.

Auf die Frage, wie sich verhindern lasse, dass eine erfolgreiche Institution selbstzufrieden werde, fällt ihre Antwort ebenso klar aus: «Neugierig und offenbleiben und nie ganz zufrieden sein.» Für Petra ist genau diese Haltung eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich RoBe auch in Zukunft kontinuierlich weiterentwickeln kann.

 

Fazit

Nach mehr als drei Jahrzehnten blickt Claudio nicht in erster Linie auf Rankings oder Wachstumszahlen zurück. Besonders stolz macht ihn, ehemaligen Studierenden zu begegnen, die RoBe bis heute verbunden geblieben sind. Dass sich viele von ihnen auch Jahre später noch Zeit nehmen, an Umfragen teilzunehmen und ihre Erfahrungen zu teilen, ist für ihn der schönste Beweis dafür, dass RoBe einen nachhaltigen Unterschied gemacht hat. Petra ergänzt die erfolgreiche Entwicklung der Stiftung. Aus einem einzelnen Executive-MBA-Programm ist eine etablierte Business School mit einem breiten Weiterbildungsangebot, rund zwanzig Mitarbeitenden und einem hervorragenden Ruf entstanden. Für beide zeigt die Geschichte von RoBe, dass nachhaltiger Erfolg nicht allein auf guten Ideen beruht, sondern auf der Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, ohne die eigenen Werte aus den Augen zu verlieren.

 

Führungskompetenzen der Zukunft

Welche Kompetenzen werden Führungskräfte in den nächsten zehn Jahren besonders brauchen? Für Petra stehen insbesondere folgende Fähigkeiten im Vordergrund:

  • Informationen kritisch interpretieren, einordnen und sinnvoll nutzen, statt sie lediglich zu sammeln.
  • KI mündig einsetzen und aus den gewonnenen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse ziehen.
  • Mit Veränderungen und Unsicherheit umgehen und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
  • Selbstreflexion und lebenslanges Lernen als festen Bestandteil der persönlichen Entwicklung verstehen.
  • Konflikte konstruktiv lösen und unterschiedliche Perspektiven zusammenführen.
  • Resilienz entwickeln: als Fähigkeit, eine gesunde Balance zu bewahren und in einem dynamischen Umfeld bewusst auf sich selbst zu achten.