Prof. Peter ordnete die Entwicklungen zunächst in einen grösseren Kontext ein. Während die vierte industrielle Revolution durch Digitalisierung und cyberphysische Systeme geprägt war, steht die fünfte für die zunehmende Symbiose zwischen Mensch und Maschine sowie für Interoperabilität und künstliche Intelligenz. Damit verändert sich auch die digitale Transformation selbst. Unternehmen müssen neue Technologien nicht isoliert einsetzen, sondern mit bestehenden Handlungsfeldern wie Strategie, Führung, Kultur, Prozessen, Daten, Marketing und Kundenorientierung verbinden. Die Präsentation unterscheidet dabei zwischen digitaler Befähigung, digitaler Optimierung und eigentlicher digitaler Transformation.
Anhand zahlreicher Meldungen aus nur drei Monaten zeigte Marc K. Peter, wie rasant sich Digital & AI entwickeln: neue KI-Modelle, leistungsfähigere Agenten, humanoide Roboter und Smart Glasses. KI hält zunehmend Einzug in konkrete Anwendungen und gleichzeitig gewinnen neue Anbieter aus China und anderen Regionen an Bedeutung. Besonders eindrücklich: In einer Testumgebung gelang es KI-Modellen im Juli 2026, selbstständig eine Zero-Day-Schwachstelle auszunutzen und weitere Zugriffsrechte zu erlangen. Dieses Beispiel zeigt, dass mit den Fähigkeiten der Systeme auch die Anforderungen an Sicherheit, Kontrolle und Governance wachsen.
Die Auswirkungen betreffen längst auch Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze. Oracle baute im Zuge seiner KI-Ausrichtung rund 21’000 Stellen ab und das Schweizer Kommando Cyber löst sich von Microsoft Office und setzt neu auf die Open-Source-Lösung openDesk. Auch die Überwachung von Mitarbeitenden gewinnt an Bedeutung, wie ein kontrovers diskutiertes internes Analyseprogramm bei Meta zeigte. Mit KI-fähigen Brillen und weiteren Wearables entstehen zudem neue Fragen rund um Privatsphäre und Datenschutz. Auch die Frage nach der Überwachung von Mitarbeitenden gewinnt an Bedeutung. Ein in der Präsentation aufgegriffener Fall bei Meta zeigte die Kontroverse um ein internes Programm zur Speicherung von geschäftlichen, operativen Dateneingaben der Mitarbeitenden. Gleichzeitig entstehen mit KI-fähigen Brillen und anderen Wearables neue Fragen rund um Privatsphäre und Datenschutz.
Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto wichtiger wird ihre Kontrolle. AI-Governance-Plattformen sollen Unternehmen helfen, Risiken zu überwachen und Regeln für den KI-Einsatz durchzusetzen. Das Konzept eines «AI Observatory» beobachtet gesellschaftliche, ethische, regulatorische, technische und operative Aspekte von KI systematisch. Auch regulatorisch tut sich einiges: Der europäische Code of Practice zur Transparenz KI-generierter Inhalte macht Kennzeichnung und Nachvollziehbarkeit zu konkreten Anforderungen für Unternehmen.
Entscheidend ist nicht, jeder Neuerung hinterherzulaufen, sondern zu entscheiden, welche Entwicklungen relevant sind und wie sich daraus konkrete Chancen ableiten lassen. Marc K. Peter, leitender Dozent des CAS-Programmes «Digital Acceleration & AI» stellte dazu zentrale Fragen zur Diskussion:
Diese Fragen führen zur strategischen Kernfrage: Verfügt das Unternehmen über eine ganzheitliche Transformationsstrategie, kennt es seine relevanten Projekte und Herausforderungen, und identifiziert es systematisch zukünftige digitale Chancen?
Drei Monate Digital & AI zeigen, wie rasant sich Technologien, Anwendungen und Rahmenbedingungen derzeit verändern, bei wachsenden Potenzialen ebenso wie wachsenden Herausforderungen in Cybersecurity, Datenschutz, Governance und Regulierung. Für Unternehmen zählt nicht, jedem Trend zu folgen, sondern Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten, ihre Relevanz für das eigene Geschäftsmodell zu beurteilen und daraus eine klare strategische Roadmap abzuleiten. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI und Digitalisierung das Unternehmen verändern, sondern wie aktiv es diesen Wandel gestaltet.
Wer den Umgang mit autonomen KI-Agenten nicht nur diskutieren, sondern praktisch erproben möchte, ist im Workshop: AI Agent Lab der Rochester-Bern Executive Programs genau richtig: praxisnahe Auseinandersetzung mit KI-Agenten und deren Einsatz im eigenen Unternehmen.