Denn das Umfeld hat sich verändert. Wir bewegen uns nicht mehr nur in einer VUCA-Welt (Volatil, Unsicher, Complex, Ambivalent), sondern zunehmend in einer BANI-Realität (Brittle, Anxious, Non-linear, Incromprehensible): fragil, ängstlich, nicht-linear und schwer greifbar. Gleichzeitig treffen Themen wie Fachkräftemangel, demografischer Wandel und der GenAI-Boom aufeinander.
Vieles ist bekannt und trotzdem bleibt es oft unbearbeitet. Der berühmte Elefant im Raum, das grosse, offensichtliche Problem, das konsequent ignoriert wird. Resilienz bedeutet dabei deutlich mehr als Krisenbewältigung. Es geht um die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben, sich rechtzeitig zu erholen und aus Erfahrungen zu lernen. Anpassung und Selbstorganisation werden zur Grundvoraussetzung.
Lernen vom Explorationstauchen
Besonders greifbar wurde das im Beispiel des Explorationstauchens. Unter Wasser zählt keine spontane Reaktion, sondern Vorbereitung. Jeder Schritt folgt einer klaren Abfolge, von der Erkundung bis zur kontrollierten Dekompression. Fehler verzeiht das System nicht. Resilienz entsteht hier lange vor der eigentlichen Extremsituation: durch Training, klare Standards, Vertrauen im Team und ein gemeinsames Verständnis von Ziel und Sinn.
Das Beispiel Sägewerk
Ein zweites Beispiel zeigte, wie sich Resilienz im Unternehmensalltag entwickelt. Ein Familienunternehmen der Holzindustrie hat sein Geschäftsmodell über Jahre hinweg weiterentwickelt, von klassischer Verarbeitung hin zu erweiterten Wertschöpfungsstufen wie Schalungsplatten und Holzpellets. Krisen, externe Schocks und Schäden waren Teil der Geschichte, aber nicht ihr Ende. Entscheidend war die Fähigkeit, kontinuierlich weiterzudenken und Chancen in Veränderung zu erkennen. In beiden Beispielen zeigt sich das gleiche Prinzip: Resilienz entsteht durch klare Führung, funktionierende Zusammenarbeit, starke Netzwerke und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden. Sie zeigt sich im Alltag, nicht im Ausnahmezustand.
Menschliche Stärken im Zeitalter von KI
Mit Blick auf generative KI wurde ein weiterer Punkt deutlich. Technologie verändert vieles, aber nicht alles. Fähigkeiten wie Empathie, Kontextverständnis, Urteilsvermögen und Kreativität gewinnen an Bedeutung. Die sogenannten EPOCH-Fähigkeiten rücken damit stärker in den Fokus.
Am Ende bleibt ein nüchterner Gedanke. Resilienz ist kein Zustand, den man erreicht und abhakt. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess. Organisationen werden nicht stark, wenn der Druck da ist. Sie werden es vorher.
Dieser RoBe Connect Talk mit Prof. Dr. Jens O. Meissner zum Thema «Resilienz unter Druck – Was Organisationen stark macht»
fand im Rahmen der folgenden Weiterbildungen statt: