«Ein guter Leader spürt sein Team»

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Führung heisst: Verantwortung übernehmen, präsent sein und Entscheidungen nachvollziehbar kommunizieren. Transparenz, Haltung und die Bereitschaft auch Unbequemes auszusprechen, schaffen Vertrauen. Das ist am Berg das gleiche wie in einem Unternehmen.

Dani Arnold gehört zu den besten Extrembergsteigern unserer Zeit. Seit 2018 ist er Markenbotschafter von Rochester-Bern Executive Programs. RoBe hat mit ihm über Entscheidungen unter Druck, Vertrauen im Team und Führung in kritischen Momenten gesprochen. Das Gespräch liefert klare und überraschend übertragbare Impulse für Führungskräfte im Unternehmensalltag. 

RoBe: Dani, du bist mit deinen Expeditionen auf der ganzen Welt unterwegs, am liebsten auf schwierigen Routen in Fels und Eis. Daneben führst du als Bergführer auch Gruppen. Immer mit dabei ist auch die Gefahr, im Extremfall der Tod. Wie gehst du mit diesem Druck um? 

Dani Arnold: Entscheidend ist für mich die Vorbereitung. Vieles ist planbar. Ich frage mich: Was könnte eintreffen und definiere den Weg jeweils bis zum Schluss. In den Bergen ist die Frage nicht, ob etwas anders kommt als geplant, sondern wann die Abweichung vom Plan eintrifft. Wichtig ist deshalb, dass das Ziel und das akzeptierte Risiko im Voraus geklärt sind. Während der Tour sammle ich dann ständig Informationen, z.B. über das Wetter oder über die Verfassung meines Teams und treffe darauf basierend meine Entscheidungen. 

RoBe: Triffst du diese Entscheide alleine oder im Team? 

DA: Das hängt von der Situation ab. Erfordert die Situation einen schnellen Entscheid, übernehme ich die Verantwortung allein und kommuniziere klar. Habe ich Zeit, beziehe ich bewusst andere Meinungen ein. Das bringt neue Sichtweisen und verhindert Fachblindheit. Ich empfinde es als Stärke, wenn ein Leader auch andere sprechen lassen kann. Am Ende muss ich aber jederzeit bereit und in der Lage sein, die Notbremse zu ziehen. 

RoBe: Kann Offenheit für andere Sichtweisen das Vertrauen in die Führung nicht auch schwächen? 

DA: Im Gegenteil. Vertrauen entsteht, wenn in einer Diskussion das bessere Argument gewinnt und nicht das stärkere Ego. Authentizität, Ehrlichkeit und das Eingestehen von Schwächen stärken die Beziehung zum Team. Eine grosse Rolle spielt dabei aber natürlich auch die Kompetenz. Zudem hilft es, bereits im Vorfeld mit dem Team darüber zu sprechen, dass gefährliche Situationen eintreten können und wie wir damit umgehen wollen. Als Person, die die Hauptverantwortung trägt, muss ich aber schlussendlich immer hinstehen, transparent kommunizieren und eine Entscheidung treffen. Gerade in gefährlichen Situationen, kann es dann auch sein, dass man sehr deutlich werden muss. Am Mönch hatte ich einmal eine Situation, in der ein Gewitter im Anzug war und der Gast nicht eingesehen hat, dass wir uns beeilen müssen. Da wechselt der Ton dann auch mal.  

RoBe: Welche Führungskultur ist dir am Berg am liebsten?  

DA: Tiefe Hierarchien und ein klares gemeinsames Ziel. In kleinen Teams ist Transparenz essenziell, in grösseren muss Information gezielt dosiert werden. Als Leader muss ich das Team spüren und früh reagieren. Übermotivierte binde ich aktiv ein, Personen, die gegen das Ziel arbeiten, spreche ich klar an. Notfalls auch mit der Konsequenz, dass es keine zweite gemeinsame Tour gibt. 

RoBe: Welche Parallelen siehst du zum Führungsalltag in Unternehmen? 

DA: Führung heisst: Verantwortung übernehmen, präsent sein und Entscheidungen nachvollziehbar kommunizieren. Transparenz, Haltung und die Bereitschaft auch Unbequemes auszusprechen, schaffen Vertrauen. Das ist am Berg das gleiche wie in einem Unternehmen. Ein guter Leader spürt sein Team, hört zu, wenn Zeit dafür ist und trifft klare Entscheidungen, wenn die Situation es verlangt.  

 

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