Was ist Agentische KI und wie baue ich mir mein Agentic Enterprise?

Agentic KI
Ein zentrales Thema des Webinars war der Unterschied zwischen klassischer Automatisierung und der neuen Welt der Agentic AI. Während Regelbasierte Prozessautomatisierung (RPA) Systeme auf starren Regeln basieren und somit mit einem Taschenrechner vergleichbar sind, agieren KI-Agenten wie Finanzanalysten, die einen Taschenrechner nutzen.

Das RoBe Connect vom 11. November 2025 adressierte ein hochaktuelles Thema: «Agentic AI & Automation – Von der Strategie zum Unternehmenswert». Der Digital-Marketing-Experte und KI-Spezialist Aldo Gnocchi zeigte den Teilnehmenden auf, welche Chancen und Use Cases die neue Technologie bietet, erläuterte die architektonischen Grundlagen und skizzierte die strategischen Schritte auf dem Weg zum «Agentic Enterprise». Ein zentrales Thema des Webinars war der Unterschied zwischen klassischer Automatisierung und der neuen Welt der Agentic AI. Während Regelbasierte Prozessautomatisierung (RPA) Systeme auf starren Regeln basieren und somit mit einem Taschenrechner vergleichbar sind, agieren KI-Agenten wie Finanzanalysten, die einen Taschenrechner nutzen. Sie nehmen Daten wahr, planen, treffen Entscheidungen und handeln eigenständig über API-Schnittstellen. Diese Fähigkeit, Ziele selbstständig zu verfolgen, markiert einen radikalen Sprung in der Automatisierung und eröffnet neue Effizienz- und Wertschöpfungspotenziale. Gleichzeitig betonte Gnocchi, dass Technologie allein nicht genügt: «Man kann nicht einfach Marketing und HR mit agentischer KI durchführen. Es braucht eine klare Strategie, damit die KI am richtigen Ort eingesetzt wird und sichere Lösungen geschaffen werden.»

 

Wie eine skalierbare Agenten-Architektur entsteht

«Als ich für dieses Webinar angefragt wurde, lautete die Aufgabe: Zeig uns ein Framework und wie man agentische KI systematisch aufbauen kann», erinnerte sich Gnocchi. Diese Ausgangsfrage ist für viele Unternehmen aktuell zentral. Wie lässt sich Agentic AI so einführen, dass sie skalierbar, sicher und strategisch sinnvoll eingesetzt wird? Die Antwort liegt in einer modular aufgebauten Architektur, die aus vier Schichten besteht:

  1. Agent Core: Ein leistungsfähiges Modell bildet die Grundlage für Schlussfolgerung und Planung. Es ist das Herzstück jeder agentischen Architektur. Gnocchi betont dabei einen wichtigen Trend: «Aktuell versuchen viele Early Mover, unabhängiger von den USA zu werden und auf europäische Tools zu setzen, die weniger geopolitische Abhängigkeiten mit sich bringen und technisch sehr weit entwickelt sind. Es müssen nicht immer die dominierenden Modelle aus den USA oder China sein.» Das Schweizerische vollständig offene und mehrsprachige Sprachmodell Apertus von der ETH und EPFL wäre ein Beispiel dafür.
  2. Orchestrierung: Plattformen wie n8n steuern Workflows, integrieren Systeme und ermöglichen eine skalierbare Ausführung.
  3. Governance: Rollen, Rechte, Dokumentation und Compliance sichern den professionellen Einsatz im Unternehmen. In diesem Zusammenhang spielt Transparenz eine zentrale Rolle. Gnocchi unterstreicht dies mit einem klaren Hinweis: «Wichtig ist eine vollständige Protokollierung aller Entscheidungen und Aktionen.» Wie weit Unternehmen bereits sind, zeigt ein Blick nach Deutschland: «Die Deutsche Bank DKB hat bereits 80 Prozent ihres Kundendienstes – von der ersten Anfrage bis zum Vertragsabschluss – mit Multiagenten-Systemen umgesetzt.»
  4. Monitoring: Laufende Überwachung von Qualität, Kosten, Sicherheit und Modellverhalten schafft Transparenz für das Management.

Dieser Aufbau ermöglicht es, rasch erste Prototypen zu entwickeln und gleichzeitig die Grundlagen für späteres Wachstum zu legen.

 

Smarte Anwendungsfälle mit messbarem ROI

Anhand konkreter Beispiele zeigte das Webinar, welche Hebel Agentic AI bereits heute bietet.
In der Supply Chain kann ein Agent Verzögerungen vorhersagen, Alternativen evaluieren und Entscheiderinnen und Entscheidern vorbereitete Szenarien präsentieren. Nach Freigabe setzt er Bestellungen automatisch um oder passt Produktionspläne an. In Marketingabteilungen übernehmen kollaborative Agenten kreative, analytische und operative Aufgaben und steigern damit Time-to-Market und Kampagnenpräzision. Beiden Bereichen ist gemeinsam, dass sie sowohl Effizienz als auch Qualität verbessern.

 

Tools im Spotlight: n8n und manus.ai

  • Auf zwei aktuelle Tools ging Gnocchi detaillierter einn8n fungiert als Orchestrierungsplattform, die KI-Agenten mit bestehenden Systemen wie SAP, Salesforce oder HubSpot verbindet.
  • ai dagegen eignet sich besonders für Multi-Agenten-Setups, in denen mehrere spezialisierte Agenten kollaborativ an anspruchsvollen Prozessen arbeiten. Die Koordination übernimmt dabei ein sogenannter Project Manager Agent.

Beide Ansätze adressieren die Frage, wie Agentic AI in realen Unternehmensumgebungen sicher und zuverlässig operiert. Gnocchi betonte offen, dass die Präsentation in Co-Creation mit manus.ai entstanden ist: «Für meine Anforderungen gehört es zu den besten Tools. Sonst hätte ich es gestern Abend kaum geschafft, ein solches Webinar vorzubereiten.»


Der 30-60-90-Tage-Plan

Damit Unternehmen nicht bei Konzepten stehen bleiben, präsentierte Gnocchi einen klaren Umsetzungsfahrplan. In den ersten 30 Tagen stehen Use-Case-Definition, Stakeholder-Alignment und Tool-Evaluation im Zentrum. Die Phase von 30 bis 60 Tagen umfasst erste Prototypen und die Anbindung an ERP- oder CRM-Systeme. Zwischen 60 und 90 Tagen folgt eine Pilotphase mit echten Nutzerinnen und Nutzern sowie der Aufbau eines Skalierungsplans. Dieser strukturierte Ansatz schafft schnelle Resultate und reduziert gleichzeitig Risiken.

 

Risiken verstehen und aktiv managen

Mit dem Einsatz von Agentic AI entstehen neue Herausforderungen. Beispiele sind Halluzinationen der Modelle, Datenschutzfragen, Compliance-Anforderungen, Modellveränderungen über Zeit oder eine geringe Akzeptanz bei Mitarbeitenden. Das Webinar zeigte, wie diese Risiken adressiert werden können. Entscheidend ist eine klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten sowie technische und organisatorische Massnahmen, die von A/B-Tests bis zu Audit Trails reichen.


Fazit

Agentic AI markiert den nächsten logischen Schritt in der digitalen Transformation. Sie ermöglicht Unternehmen, Prozesse neu zu denken, Aufgaben zu delegieren und Wertschöpfungspotenziale in kurzer Zeit zu realisieren. Das Webinar machte deutlich, dass jetzt der richtige Moment ist, um konkrete Erfahrungen zu sammeln und den Weg Richtung Agentic Enterprise einzuschlagen. Wir danken Aldo Gnocchi herzlich für seine Zeit und die inspirierende Präsentation.