Ein Jahr voller Transformation: Von Windeln, Herausforderungen und neuen Perspektiven

Ein Jahr voller Transformation
Ein ereignisreiches Jahr voller Veränderungen liegt hinter mir. Mit einem Neugeborenen auf dem Arm und einer älteren Tochter, die ihre ersten Schritte im Kindergarten machte, wagte ich den Sprung ins CAS Leadership & Inclusion bei Rochester-Bern. Von emotionalen Höhen und Tiefen bis hin zu inspirierenden Begegnungen und neuen Erkenntnissen über Vielfalt und Inklusion – dieses Jahr hat mich auf eine spannende Reise der persönlichen und beruflichen Entwicklung geführt. Hier berichte ich von meinen Erfahrungen, Herausforderungen und den wertvollen Lektionen, die ich gelernt habe.

Am 24. August 2023 tauchte ich in das zweite Modul des CAS Leadership & Inclusion ein. Mit im Gepäck: meine vier Wochen alte Tochter und meine Mutter, die als Rettungsanker fungierte. Wir wurden mit offenen Armen und verständnisvollem Lächeln empfangen. Die Klasse war eine bunte Mischung aus verschiedenen Menschen, mit unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die vielen spannenden und anregenden Diskussionen sowie Einblicke in eure Leben. Ein grosses Dankeschön auch an Nadine, Stefanie und das Team von Rochester-Bern, die dies möglich gemacht haben.

Parallel dazu betrat meine ältere Tochter am 17. August 2023 ihren Kindergarten. Adieu, gemütliche Vormittage und spontane lange Wochenenden! Eine grosse Veränderung für unsere Familie.

Die sechs Module des CAS Leadership & Inclusion waren wie eine emotionale Achterbahnfahrt: von euphorisch bis tief betrübt. Manchmal dachte ich, ich hätte mir zu viel zugemutet, und manchmal war ich sicher, dass alles gut wird und mich weiterbringt. Immer wieder gab es auch Berührungspunkte mit meiner Arbeitgeberin und die Frage, wie es nach meiner Rückkehr dort weitergehen würde.

Zwischen Windeln, nächtlichen Spaziergängen mit dem Baby auf dem Arm durch den Flur, Wäschebergen und einer nach Ordnung und Sauberkeit schreienden Wohnung, musste ich die schriftlichen Wissenstransferaufgaben lösen. Ich lernte, auf den Punkt zu funktionieren, wenn das entsprechende Zeitfenster (Baby schläft, grosse Tochter im Kindergarten, Mutter als Betreuungshilfe im Einsatz, Wochenende mit meinem Mann, der auf die Mädels schaut) gegeben war. Ihr könnt mir glauben, manchmal hätte ich mich lieber ins Bett gelegt und geschlafen. Doch ich sagte mir immer wieder: Es ist eine absehbare Zeit und es bringt mich weiter!

Im März 2024 stand unsere Familie vor einer weiteren Herausforderung: Meine Mutter wurde auf einem Parkplatz angefahren und erlitt einen Bruch des Waden- und Schienbeins. Zum Glück war es nichts Lebensbedrohliches, aber die Heilung zog sich zäh wie Kaugummi. Meine Mutter sollte einige Wochen später wieder in die Betreuung meiner Töchter eingebunden werden, da ich dann meine Arbeit wieder aufnehmen sollte. Dies war selbstverständlich nun nicht wie geplant möglich. Wieder die Frage: Würde die Familienorganisation funktionieren, wenn ich mit einem 80%-Pensum zurück an den Arbeitsplatz kehre, ohne Home-Office-Möglichkeit und welcher aus meiner Sicht nicht immer am „Puls der Zeit“ in Sachen Vereinbarkeit ist?

Die Antwort: Ja, es funktioniert! Es braucht viel Unterstützung von der Familie, eine Grundhaltung, dass nicht alles perfekt funktionieren muss und es in kleinen Schritten vorwärts geht. Früher wollte ich alles auf einmal, aus Angst, etwas zu verpassen. Heute geniesse ich lieber die Zeit mit meiner Familie, im Wissen, dass diese Zeit schnell vergeht. Ihr wollt nicht wissen, wie es manchmal bei uns zuhause aussieht – und das von jemandem, der für Hygiene, Reinigung und Sauberkeit in einer grossen Klinik verantwortlich ist. Ein wenig Ironie des Lebens, oder?

Im CAS gab es viele Highlights, hier nenne ich nur einige beispielhaft für Viele: Prof. Dr. Jutta Rump beeindruckte mit ihrem umfassenden Fachwissen und praxisnahen Auftritt, Jochen Luksch half uns spielerisch, unsere Verhandlungskompetenzen zu verbessern, und Marcel Rösch, fast vollständig blind, leitet das interne Filmteam bei Swisscom und hat uns mit einem beeindruckenden und packenden Auftritt über sein Leben und seine Arbeit begeistert. Besonders inspirierend war auch die Vorstellung von Blindspot, einer Organisation, die zeigt, wie inklusives Arbeiten funktionieren kann. Ein weiterer Höhepunkt war die Recherche für meine Abschlusspräsentation, in der ich meine Arbeitgeberin mit zwei anderen grossen Playern im Gesundheitswesen verglich und analysierte, wer im Bereich Vielfalt und Inklusion bereits einen Teil der Hausaufgaben gelöst hat.

Die Umgebung an der Universität von Bern bot uns Wetterlagen von extrem heissen, sonnigen Tagen bis hin zu Schneestürmen. Auf dem Uni-Gelände erlebten wir neben der Erarbeitung einer Gruppenarbeit die dubiose Verhaftung einer Person durch die auf mich „leicht“ überfordert wirkende Berner Polizei. Dies im Rahmen einer Verhaftung einer bewaffneten Person. Es ging so einiges!

Letzte Woche holte ich nun noch das erste Modul „Auftrittskompetenz“ nach und lernte die neue Klasse sowie die motivierende Dozentin Sibylle Sommerer kennen. Die Atmosphäre war so vertraut und offen, dass ich mich sofort wohlfühlte. Sybille brachte uns praxisnah bei, wie wir unsere Präsentations- und Auftrittsfähigkeiten verbessern können. Ihre Tipps zu Gestik, Mimik und Sprache wende ich seitdem fleissig im Alltag an. Sie hatte einen gut umsetzbaren Ratschlag an mich: «Breite deine «Flügel» aus, mach dich somit in deiner Wirkung gross»!

Insgesamt habe ich in den vergangenen 10 Monaten unglaublich viel gelernt, mich neu sortiert und bin bereit für die Zukunft. Meine Sensibilität für Vielfalts- und Inklusionsthemen ist geschärft, und ich möchte meine Erkenntnisse unbedingt im Berufs- und Privatleben einfliessen lassen. Denn eins ist klar: Als Gesellschaft müssen wir uns dringend in eine vielfalts- und inklusionsfördernde Richtung entwickeln, um allen Menschen die Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Jetzt schließe ich meinen Bericht, denn ich muss los, um meine große Tochter von ihrem letzten Kindergarten-Tag abzuholen. Sie hat als „Räupli“ begonnen und wird sich nun über die Sommerferien verpuppen, um danach als strahlender Schmetterling ins zweite Kindergartenjahr zu starten. Auch ich breite meine Flügel aus und mache mich gross. Eine gelungene Transformation!