Ziele spielen in der Selbstführung eine Schlüsselrolle. Sie erzeugen eine innere Spannung, die Handlungsenergie freisetzt und Orientierung gibt. Fehlen klare Ziele, entsteht Stillstand – auf individueller wie auf organisationaler Ebene. Gerade in Übergangssituationen, etwa bei Rollenwechseln oder strategischen Neuausrichtungen, ist es wichtig, sich neue Ziele zu setzen, damit wir nicht handlungsunfähig werden.
Lässt sich Selbstführung trainieren?
Auf die Frage, wie sich Selbstführung trainieren oder messen lässt, verweist Furtner, der sich bereits über 20 Jahre mit dem Thema Selbstführung befasst, auf Strategien wie systematische Selbstbeobachtung als Grundlage für Feedback, bewusste Selbstgespräche zur Arbeit an hinderlichen Glaubenssätzen sowie Visualisierungstechniken zur Zielverankerung. Diese Instrumente stärken nicht nur die eigene Wirksamkeit, sondern erhöhen nachweislich auch Leistungsmotivation und emotionale Stabilität. Führungskräfte, die sich selbst wirksam führen, werden von ihren Mitarbeitenden als klarer, positiver und inspirierender wahrgenommen.
Ein neues Führungsverständnis
Dass daraus auch ein neues Führungsverständnis entstehen kann, zeigt Furtner am Beispiel von Organisationen auf, die sich als Selbstführungskultur verstehen. Die Rolle der Führungskraft entwickelt sich von der steuernden Instanz hin zur Coachin oder zum Coach, der Selbstführung im Team ermöglicht. Kulturen mit hoher Autonomie und Innovationsorientierung eignen sich ideal für diese Führungskultur. Schwieriger ist es bei Personen, die sich autonomes Arbeiten noch weniger gewohnt sind oder jahrelang anders gearbeitet haben. Hier empfiehlt Furtner eine engere Führung, betont aber, dass es prinzipiell immer möglich ist, die Personen weiterzuentwickeln.
Seine Mitarbeitenden anstecken
Eine spannende Verbindung macht Furtner zum Thema emotionale Intelligenz. Gemäss Studien werden Personen, die sich gut selbst führen können, von ihren Mitarbeitenden als positiver wahrgenommen. Eine Führungsperson, welche die Mitarbeitenden als charismatisch wahrnehmen, erscheint durchsetzungsfähiger und kompetenter. Mitarbeitende strengen sich für charismatische Führungspersonen stärker an. Wenn man sich also selbst begeistern kann, kann man dadurch auch seine Mitarbeitenden anstecken.